Sonntag, 1. November 2015

*Buch-Sonntag* 5. Kapitel: Der frühe Vogel fängt den Wurm

    5. Kapitel: Der frühe Vogel fängt den Wurm

Nach dem Rundgang über den Campingplatz, kommen wir schließlich wieder bei unseren Zelten an. Geschafft lasse ich mich auf einen Stuhl in unserem PPP sinken und werfe den Kopf zurück. Mit den Füßen streife ich mir die Schuhe aus und stütze meine Beine dann überkreuzt auf den Tisch. Freiheit für meine Füße!
Erleichtert wackele ich mit meinen Zehen, durch die ganze Latscherei fühlen sie sich total gequetscht an.
„Du trägst komplett schwarz, hast Totenköpfe an den Ohren, aber Hello Kitty an den Füßen?!“, stellt Ian entsetzt fest, welcher sich mir gegenüber gesetzt hat und verwundert meine Füße anstarrt.
Erst rolle ich mit den Augen, dann erhebe ich meinen gefühlt Tonnenschweren Kopf und blinzele ihn an.
„Also ich finde die Socken sehr erotisch.“, grinse ich ironisch, während ich erneut mit den Zehen wackele. Die Dinger waren mal irgendwann im Angebot, übrigens das einzige pinke Kleidungsstück in meinem Kleiderschrank.
„Ich finde, die verleihen dir was Mädchenhaftes.“, lächelt Ian mir zu. Fragend runzele ich die Stirn. Seine Augen faszinieren mich irgendwie, das Braun strahlt eine gewisse Wärme aus.
„Soll das heißen, ich sehe eigentlich aus wie ein Kerl?“, will ich entsetzt wissen, was soll denn bitte „Mädchenhaft“ heißen? Doch er lacht nur und lehnt sich dann mit den Armen auf den Tisch, um mich besser anschauen zu können.
„Nein, so meinte ich das nicht, du siehst gut aus, ehrlich!“
Verlegen nehme ich die Füße vom Tisch, mehr als ein leises „Danke.“ bekomme ich nicht raus. Was soll ich denn auch darauf sagen? Du auch?
Jack, der sich gerade ein Bier geholt hat, lässt sich neben seinem Bruder auf den Stuhl plumpsen und haut diesem unsanft auf die Schulter.
„Alter, du flirtest? Was ist denn mit dir los, hast du Fieber?“, fragt er, woraufhin der Blonde peinlich berührt seinen Blick von mir abwendet und imaginäre Funken an seinen älteren Zwilling blitzen lässt. Innerlich muss ich grinsen, war das jetzt so was wie ein „erwischt“?
„Laber nicht so einen Scheiß!“, zischt der Jüngere verärgert. „Man darf doch wohl noch ehrlich sein.“
Gespannt schaue ich den beiden zu, Ians Aussage nehme ich jetzt einfach mal als Kompliment, anstatt als Flirt auf.
Auch Nici setzt sich nun mit zwei Bieren zu uns, eins davon überreicht sie mir.
„Ach weißt du Lin…“ Der Hopper wendet seinen Blick zu mir rüber, ehe er weiter spricht. „Mein Bruder hat es nicht so mit Frauen, deswegen wunderte mich das gerade.“
Aha, sehr interessant. Und was hab ich jetzt damit zu tun? Ist das jetzt schlimm, dass er mir ein Kompliment gemacht hat?
„Ich hab Momentan auch viel mit meinem Studium zu tun, falls es dir nicht aufgefallen ist.“, verteidigt sich der Jüngere, was den Älteren jedoch unbeeindruckt lässt.
„Ja und? Ich studiere auch auch, trotzdem hab ich ab und zu ein Mädchen am Start, im Gegensatz zu dir, mein Lieber.“
„Boah ja, wie oft willst du mir denn noch vorhalten, dass du mehr Mädchen hast als ich?“ Genervt verdreht Ian die Augen und wendet sich von seinem Bruder ab. Gut so, gib nach, sei klug!
„Was ist los?“, mischt sich jetzt auch Nici ein, die, genauso gespannt wie ich, die Zwillinge beobachtet.
Joah, was ist hier los? Eigentlich diskutieren die Zwei jetzt nur wegen mir, irgendwie ist das schon… unangenehm. Vielleicht sollte ich vom Thema ablenken, das bin ich Ian schuldig. Mir kommt auch schon eine Idee, welche ich eigentlich vorhin schon umsetzen wollte.
Gerade als der Hopper seinen Mund öffnet um was zu sagen, unterbreche ich ihn.
„Jack? Würdest du bitte einmal kurz deine Sonnenbrille abnehmen?“
Wunderlicher Weise tut er das auch sofort und im nächsten Moment fällt mir auf, dass definitiv der Blonde die schöneren Augen hat. Jacks Augen sind zwar nett, aber kalt, kälter als die seines Bruders.
„Und jetzt?“, fragt er, woraufhin ich ehrlich zugebe: „Danke, ich wollte nur mal deine Augen sehen.“

Inzwischen ist es schon dunkel, was uns dazu veranlasst, nach einer kalten Dose Ravioli zum Abendessen schlafen zu gehen, um für morgen fit zu sein. Zwar ist es auf dem Campingplatz noch immer sehr laut, aber das ist unvermeidbar. Zum Glück hab ich an meine Ohropax gedacht, die sind für einen ruhigen Schlaf bei dieser Lautstärke sehr wichtig.
Wir wünschen den Zwillingen eine gute Nacht, die ebenfalls in ihre Zelte verschwinden und ziehen den Reißverschluss unseres Zeltes zu. Schnell einen warmen Pyjama angezogen (die Nächte hier sind verdammt kalt!), die Isomatten ausgebreitet und die Schlafsäcke ausgepackt, die Handywecker gestellt, um morgen früh warm duschen zu können, in die Schlafsäcke gekuschelt, fertig. Draußen herrscht immer noch Party pur, laute Musik, lachende und grölende Menschen und noch so manch andere Geräusche, die ich gar nicht definieren kann.
„Ich freu mich auf mo-hooorgen.“, gähnt meine Freundin, welche sich in meine Richtung gedreht hat und mich mit müden Augen anschaut. Da ist sie nicht die Einzige.
„Und ich erst, vor allem auf Green Day.“
Aber noch lange nicht so sehr wie Samstag auf Linkin Park! Allein der Gedanke daran lässt mein Bauch vor Aufregung kribbeln.
„Ja, auf jeden Fall.“, grinst sie. „Und ich bin froh, dass wir zwei so nette Jungs kennengelernt haben.“
„Ich auch, das war echt ein Glückstreffer.“
Meine Freundin nickt zustimmend, ehe sie mir eine gute Nacht wünscht, ihre Ohropax in die Ohren steckt und sich umdreht. Ich tue es ihr gleich, hoffentlich überhöre ich deswegen morgen früh nicht meinen Wecker, sonst kann ich kalt duschen und da habe ich absolut keine Lust drauf.
Gemütlich kuschele ich mich in meinen Schlafsack ein und lasse den heutigen Tag Revue passieren. Mein Fazit ist auf jeden Fall: Alles super, super Leute, super Stimmung, wie auch nicht anders erwartet, abgesehen weniger Ausnahmen. Vielleicht hätte ich ein Vorhängeschloss an den Reißverschluss hängen sollen, damit mein Stalker nicht unerwartet heute Nacht im Zelt steht. Ich hoffe und glaube, dass wenn es tatsächlich drauf ankommen würde, die Zwillinge sofort zur Stelle sind, genau wie Ian heute Mittag. Diese Tatsache lässt mich jedenfalls ein bisschen beruhigter schlafen. Zwar nehme ich trotz Ohropax noch immer Lärm von draußen wahr, aber es ist auszuhalten, ich bin schon in der Diskothek neben der Bassbox eingepennt, also wird das Einschlafen schon irgendwie klappen.
Überzeugt davon schließe ich die Augen und bin auch schneller als erwartet im Land der Träume verschwunden.

Schlaf, mein Kindchen, schlafe ein
die Nacht, sie schaut zum Fenster rein
Der runde Mond er hat dich gerne
und es leuchten dir die Sterne
Die Ärzte - Schlaflied

Vom Klingeln meines Handyweckers werde ich schließlich wieder wach. Sofort fällt mir auf, dass es stiller ist, als gestern Nacht. Naja gut, eigentlich ist das nicht sehr verwunderlich, schließlich ist es 6:30 Uhr, die meisten schlafen jetzt noch ihren Rausch von gestern aus. Ich dagegen merke überhaupt gar nicht, dass ich gestern ein paar Bierchen getrunken habe, befreie mich aus meinem Schlafsack und wecke dann Nici, die noch im Tiefschlaf zu sein scheint. Sie schnarcht ganz leise, ein ganz niedliches Schnarchen.
„Nici, aufstehen, wollen wir duschen gehen?“, frage ich sie, während ich sie leicht anstupse. Zur Antwort bekomme ich allerdings nur ein unverständliches Grummeln.
Gut, dann lasse ich sie noch 5 Minuten schlafen, in der Zeit kann ich mir schon mal die Zähne putzen. Also wühle ich aus meiner Tasche meine Zahnbürste und die Zahnpasta, verlasse im Pyjama das Zelt, schlüpfe in meine Schuhe und flitze rüber in den PPP, um mir einen Becher Wasser zu holen. Mit einem Stuhl setze ich mich nach draußen und beobachte während des Zähneputzens, wie verpennt die ganzen anderen Camper aussehen, die denn jetzt schon wach sind. Einige machen sich mit Handtüchern und frischen Klamotten auf den Weg zu den Sanitäranlagen, andere schmeißen jetzt schon den Grill an, für das Frühstück.
Ein Stück weiter, gegenüber von mir, sitzt ein Typ in seinem Campingstuhl und scheint auf diesem wieder eingepennt zu sein. Mit dem Kopf zurück gelehnt und mit offenem Mund sitzt er da, während seine Kollegen ihm Papierkügelchen in den Mund werfen. Das gibt sicher ärger, wenn er wieder aufwacht.

Nach meiner gründlichen Zahnreinigung, spüle ich mir den Mund aus, wasche meine Zahnbürste ab und gehe wieder ins Zelt, um einen neuen Versuch zu starten, meine beste Freundin zu wecken. Allerdings grinst sie mich schon an, als ich das Zelt betrete und bemüht sich gequält aus ihrem Schlafsack.
„Guten Morgen, Schlafmütze.“, begrüße ich sie und packe meine Zahnbürste und Zahnpasta zurück in meine Tasche.
„Morgen.“, brummt sie verschlafen, setzt sich dabei im Schneidersitz auf ihren Schlafsack. „Wie spät ist es?“
„Zeit, um sich ne Uhr zu kaufen.“
Gut gelaunt pflanze ich mich zu ihr und schaue in ihr vom schlafen zerknautschtes Gesicht. Ihre langen blonden Haare fallen zerzaust über ihre schmalen Schultern.
„Aha.“, antwortet sie mir ganz unbeeindruckt und schnappt sich ihr Handy, um die Uhrzeit selbst herauszufinden und reißt die Augen fassungslos auf.
„Zwanzig vor sieben?!“
Ihr Blick ist so entsetzt, dass ich mich für einen kurzen Moment frage, ob sie schon vergessen hat, was ich ihr über die Duschen erzählt habe.
„Jaha meine Liebe, willst du warm oder kalt duschen?“, lache ich, denn ich habe absolut keine Lust auf eine kalte Dusche, da verzichte ich auch freiwillig auf ein paar Stunden Schlaf. Außerdem, wenn man’s gar nicht aushält, kann man später immer noch ein bisschen Schlaf nachholen, vor zwei Jahren hab ich’s nicht anders gemacht.
Ich kann förmlich sehen, wie ihr ein Licht aufgeht, als ich ihr meine Frage stelle. Anscheinend hat sie wirklich nicht mehr an die Duschverhältnisse gedacht.
„Ach so, ja, natürlich warm.“, grinst sie verlegen. „Dann lass mich eben meine Zähne putzen, dann können wir los.“

„Guten Morgen Lindsay.“, ertönt plötzlich eine Stimme hinter uns, als wir an der Schlange vor den Duschen anstehen. Als ich mich umdrehe, und meinen Ex erblicke, wird mir von jetzt auf gleich ganz anders.
Das kann doch nicht wahr sein, bleibe ich denn nie verschont? Von seinem dämlichen Grinsen wird mir übel.
Auch Nici hat sich umgedreht, als sie hört, wie jemand meinen Namen sagt. Ihr Gesichtsausdruck ändert sich von jetzt auf gleich.
„Wieso lässt du mich nicht einfach in Ruhe?“, frage ich genervt und habe irgendwie das Gefühl, dass er nicht zufällig hier steht. Dass er sich überhaupt traut, mich nochmal anzusprechen, grenzt an ein Wunder. Aber so war das schon immer, keine Drohung zieht bei dem Spinner.
„Darf ich dir keinen gute Morgen wünschen?“, fragt er ganz scheinheilig, was mich sofort auf hundertachtzig bringt.
„Freundchen, wenn du dich nicht ganz schnell vom Acker machst, dann passiert ein Unglück, das schwöre ich dir!“, mischt sich jetzt auch meine Freundin ein, welche mindestens genauso gut auf meinen Stalker zu sprechen ist, wie ich. Böse funkelt sie ihn an, wovon er allerdings unbeeindruckt bleibt. Nein, er beachtet sie gar nicht.
„Welche Bands schaust du dir denn heute an?“, will er wissen, woraufhin mir fassungslos die Kinnladung runter fällt. Ist das jetzt sein voller Ernst? Denkt er wirklich, ich würde mit ihm Smalltalk führen, geschweige denn ihm sagen, welche Bands ich mir anschaue, damit er mir auch da auflauern kann? Für wie bekloppt hält der mich eigentlich?!
„Hörst du schlecht, oder so? Verpiss dich, sofort!“, zischt Nici, doch auch das bleibt ignoriert. Er würdigt ihr nicht einen einzigen Blick. Dabei kommt mir eine Idee! Wieso schlage ich ihn nicht einfach mit seinen eigenen Waffen?
Kurzerhand drehe ich mich um, ziehe auch Nici an der Schulter zurück, welche mich jetzt verwundert anschaut. Zur Aufklärung beuge ich mich an ihr Ohr und flüstere ihr „Ignorier ihn einfach.“ zu. Schließlich wird es nicht mehr lange dauern, bis wir in die Duschen können, dann wären wir ihn gleich schnell los, ohne uns weiter mit ihm abzugeben. Meine Freundin nickt, wirft kurz nochmal einen Blick zurück und tut es mir dann gleich. Einfach geradeaus schauen, er ist gar nicht da.
„Ähm, hallo? Lin?“
Ganz locker schaue ich durch die Gegend, auch wenn seine Stimme mir einen kalten Schauer über den Rücken jagt. Einfach nichts anmerken lassen. Noch ein Mädchen ist vor uns, gleich sind wir an der Reihe.
„Ignorierst du mich jetzt? Ich finde das nicht gut!“
Hmm, was esse ich denn gleich zum Frühstück? Ich glaube, ein Baguette und Gemüse, für Fleisch ist es noch zu früh. Oder ich kaufe mir Rührei auf Toast, wir sind gestern noch an einem Wagen vorbeigekommen, der morgens Frühstück verkauft und den restlichen Tag Pommes.
„Lindsay?!“
Hach ja, das Wetter heute scheint auch gut zu sein, zwar ist es ein bisschen bewölkt, aber laut Wettervorhersage soll heute wieder die Sonne scheinen. Ich schaue rüber zu Nici, welche mich kurz anlächelt, dann können wir auch schon in das Duschzelt eintreten, eeendlich. Ich drücke dem Typen, welcher den Einlass regelt, meine Duschkarte in die Hand, welche er entwertet, und laufe dann ins Duschzelt. Manuel lassen wir einfach blöd hinter uns stehen, ich hoffe inständig, dass er gleich weg ist, und mir das gesamte Festival über nicht mehr über den Weg läuft. Nur leider glaube ich nicht an Wunder.

Die Duschen sind komplett aus Metall und so aneinander gereiht, wie in einem Schwimmbad. Privatsphäre hat man hier jedenfalls keine, was mich persönlich jedoch nicht stört. Manche Mädels duschen im Bikini, was ich überhaupt nicht verstehen kann. Ich meine, wir haben doch alle das Gleiche, wieso sollten wir uns dafür schämen? Ich glaube nicht, dass hier Mädels hinkommen, nur um abzulästern. Iiih guck mal die, und baah die hat ja voll die Orangenhaut! Das Einzige, was ich hier beim Duschen trage, sind Flip Flops, weil ich keine Lust auf Fußpilz habe, man weiß ja nie.
Nici und ich legen unsere Klamotten auf die dafür vorgesehenen Tische am Rand, ziehen uns aus, binden uns die Haare hoch (die müssen nicht jeden Tag gewaschen werden, solange sie nicht fettig sind), schnappen uns unsere Duschgele, und stellen uns dann nebeneinander unter zwei Duschen. Um Wasser zu bekommen, muss man gegen so einen komischen Nippel drücken, welcher direkt am Duschkopf hinaus lugt. Wenn hier jemand unter 1,50 m ist, könnte es schwierig werden, dranzukommen. Ohne Witz jetzt, wie sollen kleine Menschen hier Duschen?! Diese Frage beschäftigt mich jetzt ungewollt.
„Und wie funktioniert das jetzt hier??“
Planlos bemustert meine Freundin die metallene Dusche, lässt ihren Blick dabei suchend über das Gestell wandern. Ich muss grinsen, als ich mich daran erinnere, dass ich vor zwei Jahren genauso hier stand und verzweifelt diesen Nippel gesucht habe. Letztendlich habe ich erst den Sinn hinter dieser Konstruktion verstanden, als ich andere Mädels unauffällig dabei beobachtet habe, wie diese die Dusche zum Laufen brachten.
„Du musst hier oben gegen drücken.“, erkläre ich ihr, während ich ihr genau das an meiner Dusche demonstriere. Sofort kommt mir warmes Wasser entgegen, welches sanft meine Haut streichelt. Zwar ist das Wasser nicht so heiß, wie ich zuhause duschen würde, aber es ist auszuhalten, oder besser gesagt, gerade noch akzeptabel.
„Aaah, okay.“, nickt sie und tut es mir gleich. „Und wie sollen kleine Menschen hier Duschen?“
„Das habe ich mich auch gefragt!“, lache ich. Zwei Doofe, ein Gedanke.

Als wir das Duschzelt wieder verlassen, halte ich zuallererst Ausschau nach meinem Stalker. Ich atme erleichtert aus, als ich diesen nirgends erblicke, Gott sei Dank hat er sich aus dem Staub gemacht, ich habe nämlich absolut keine Lust, mich wieder mit ihm auseinanderzusetzen. Die Dusche hat auf jeden Fall gut getan, frisch geduscht und mit frischen Klamotten fühlt man sich gleich viel wohler.
Heute trage ich zur Abwechslung mal ein schlichtes, graues Shirt, mit einem Leoschal und schwarzen Shorts. Dazu trage ich denselben Schmuck wie gestern und habe meine Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Nici hat sich für eine blaue Jeans und eine hübsche rote, kurzärmlige Bluse entschieden, mit einem Schleifchen am Dekolleté, die Haare ebenfalls wieder zum Pferdeschwanz gebunden. Sie sieht super aus, wie immer.
Auf dem Weg zu unserem Zeltplatz, treffen wir die Zwillinge, welche sich anscheinend auch auf den Weg zu den Duschen gemacht haben, zumindest lassen ihren Handtücher und Klamotten, welche sie mit sich tragen, darauf schließen. Schon vom weiten grinsen sie uns an, als sie auf uns zukommen.
„Guten Morgen!“, begrüßen sie uns freundlich, als sie uns schließlich gegenüberstehen und kurz innehalten. Beide sehen noch total verpennt aus, Ians strubbeliges Haar steht in alle Richtungen ab und Jack gähnt laut vor sich hin. Als Friseurin überkommt mich gerade irgendwie das Bedürfnis, Ians Haar zurecht zu zupfen, jedoch bin ich hier bei Rock am Ring und nicht im Salon, behalte deswegen meine Finger bei mir.
„Na ihr zwei, gut geschlafen?“, will ich von den Brüdern wissen, welche mir zur Antwort nicken.
„Ganz okay.“, kommt es von Jack. „Nur hinter mir in dem Zelt hat irgendjemand so laut geschnarcht, dass ab und zu meine Zeltwände vibriert haben.“
„Echt? Ich hab nichts gehört.“, erwidert sein Bruder darauf und zieht fragend die Augenbrauen zusammen. Ich hab allerdings auch nichts gehört, ich meine, ich hab schon sehr viel gehört, aber kein lautes Schnarchen. Der Hopper zuckt mit den Schultern, während er erneut gähnt.
„Ach, ist mir auch egal. Wie sieht‘s denn aus mit Frühstück? Frühstücken wir zusammen?“
„Klar, gerne, wir können ja schon mal den Grill an schmeißen.“, schlägt Nici vor, womit wir alle einverstanden sind.


Dienstag, 27. Oktober 2015

Halloween Special

Es ist nicht mehr lange hin, bis zur Nacht der Geister und Dämonen. Ich persönlich feiere gerne Halloween, weil ich total auf dieses Grusel-Gedöns stehe. Natürlich auch immer mit vollem Programm, mit Verkleidung, Make-Up, Nägel... Und falls ich bei mir zu hause eine Halloween Party schmeiße, darf die passende Grusel-Atmosphäre natürlich nicht fehlen.
Ich habe hier mal ein paar meiner Verkleidungen und Party Tipps zusammengesucht, um euch vielleicht ein paar Anreize und Ideen für eure Halloween Nacht zu geben. Beginnen wir mit  Make Up und Verkleidungen.

Halloween Make Up


Hier habe ich mich als Dämon verkleidet. Das Make Up dazu ist einfacher als es aussieht. Zuerst habe ich mein komplettes Gesicht weiß grundiert, mit herkömmlicher Kinderschminke. Dann habe ich mit flüssigem Eyeliner alle tiefschwarzen stellen gemalt und die Augen noch zusätzlich mit schwarzem Kajal umrandet. Zuletzt habe ich einige Stellen noch mit schwarzem Liedschatten verblendet, fertig.


Hier war ich ein Monster Püppchen. Ich habe zuerst ganz normal Make Up aufgetragen, dann die Augen drum herum mit rötlichem Rouge verdunkelt und den Rest einfach wieder mit flüssigem Eyeliner gemalt. Hält tatsächlich bombenfest.


Das hier war eigentlich nur ein Probelauf, beovor ich mich für das obere Make Up entschieden habe. Hier habe ich das komplette Gesicht weiß gepudert, die Augenschatten mit schwarzem Liedschatten gemalt und den Rest mit Kajal. Die mittleren Lippen habe ich dann noch rot ausgemalt.


Hier seht ihr mal eine komplette Verkleidung. Die Haare habe ich komplett mit weißer Farbe eingesprüht, den Rest eigentlich genauso geschminkt wie auf dem zweiten Foto.


Halloween Naildesigns


Hierfür habe ich nur einen orangenen und einen schwarzen Nagellack benutzt. Die Linien habe ich mit einem dünnen Pinsel gemalt.


Für dieses "brennende" Naildesign habe ich zuerst weiß grundiert, dann mit einem Schwämmchen Orange und dunkel Braun aufgetupft und zuletzt Baumstämme mit schwarzem Lack und einem Pinsel gemalt. Als Top Coat habe ich einen Glitzerlack verwendet.


Halloween Partyideen

Welche Deko darf auf einer guten Halloweenparty nicht fehlen?
  • Grablichter
  • Spinnenweben
  • Spinnen
  • Totenköpfe
  • Blut 
  • Geister
  • Nebelmaschine
Auf meiner letzten Halloween Party hatte ich die Idee, die Toilette besonders gruselig zu machen. Warum gerade die Toilette? Ganz einfach, weil man dort im Regelfall allein ist, was den Gruselfaktor nochmal erhöht. Hierzu habe ich einen Friseur-Übungskopf in ein altes Handtuch eingewickelt, so, dass nur der obere Teil, also Stirn und Haare, herausgeschaut haben, damit man an den Augen nicht erkennt, dass es sich nur um eine Puppe handelt. Es soll ja real aussehen. Dann habe ich das Handtuch und die Dusche mit Kunstblut und Ketchup beschmiert, für den blutigen Effekt. Noch ein paar Grablichter drum herum, fertig. Alternativ zum Friseur-Übungskopf, kann man übrigens auch einen Ball und günstige Kunsthaar-Extensions nehmen.
Noch ein kleiner Tipp: Jede Menge Grablichter und Kerzen im Bad aufstellen und den Lichtschalter mit einem Zettel überkleben, damit niemand das Licht einschaltet.


Das war fürs Bad aber noch nicht alles. Man hört ja wahrscheinlich noch fröhliche Party Musik aus dem Rest der Wohnung, was die Stimmung kaputt macht. Hierzu habe ich mir Horror-Musik aus YouTube gesucht und über ein Radio laut laufen lassen. Das Radio habe ich verdeckt und daraus einen Totenkopf auf einem Podest gemacht.


Die restliche Wohnung habe ich mit Halloween-Dekokram geschmückt, wie z.B. Spinnweben, Spinnen, ganz viele Kerzen und Grablichter, Nebelmaschine etc... Außerdem habe ich alle meine Gäste gebeten, verkleidet zu kommen, sei es nur mit einer Maske oder einem blutigen T-Shirt.



Halloween Snackideen

Hautfetzen
Pfannkuchen mit roter Lebensmittelfarbe, dazu rote Grütze als "Blutsoße" anbieten.

Giftige Pampe
Kartoffel- oder Nudelsalat mit grüner Lebensmittelfarbe anrühren.

Gebratene Finger
Chevapchichi oder dünne Hackröllchen formen und braten und eine Mandel als Fingernagel in ein Ende stecken.

Gebackene Schildkrötenbabys
Große Hackbällchen formen, ein oder zwei Wiener Würstchen in 6 Stücke schneiden und als Beine, Kopf und Schwanz in das Hackbällchen stecken. Mit einem Messer das Gesicht in den Kopf ritzen und die Füße jeweils zwei mal leicht einschneiden (für die Zehen). Das Hackbällchen mit Bacon umwickeln, damit es aussieht wie ein Panzer, das alles bei 220°C für ca. 30 Minuten backen.


Zum Schluss habe ich noch eine Spieleidee für euch: Mumienwickeln.
Es treten jeweils drei Zweierteams gegeneinander an. Jedes Team bekommt eine Rolle Toilettenpapier. Das Team darf entscheiden, wer wickelt und wer eingewickelt wird. Zum Startschuss fangen alle Teams an, den jeweils ausgewählten Partner mit dem Toilettenpapier zu umwickeln. Wie das gemacht wird, bleibt dem Team überlassen. Das Toilettenpapier darf nur drei Mal reißen, sonst hat man verloren. Gewonnen hat das Team, welches zuerst die Toilettenpapierrolle komplett um den Partner Gewickelt hat.

Happy Halloween!


Sonntag, 25. Oktober 2015

*Buch-Sonntag* 4. Kapitel: Der Campingplatz

    4. Kapitel: Der Campingplatz

Als ich die Geschichte über meinen Stalker beim Essen erzähle, schütteln die Zwillinge nur entsetzt mit den Köpfen. So reagiert wirklich jeder, der diese Geschichte hört.
Nici dagegen regt sich darüber auf, dass sie die Anwesenheit meines Ex Freundes nicht mitbekommen hat, laut ihrer Aussage hätte sie ihn so fertig gemacht, dass er freiwillig nach Hause gefahren wäre.
Naja, mein einziger Wunsch momentan ist einfach nur, dass er mir während des gesamten Festivals nicht mehr auf die Nerven geht, dann ist alles okay und meine Stimmung bleibt so gut, wie sie schon den ganzen Tag ist. Ich habe mich auch schon bei Ian für die unangenehme Situation entschuldigt, aber er meinte nur ganz locker, dass es nicht die Rede wert sei.
Ich beobachte Nici dabei, wie sie wütend ihre Spare Rips massakriert und frage mich kurz, was das arme Fleisch denn dafür kann, dass sie Manuel nicht zu Gesicht bekommen hat. Dabei bin ich mir sicher, dass das 100% noch passieren wird, schließlich kenne ich ihn dafür einfach zu gut.
„Wenn ich den in die Finger kriege, dann wird der erst sein blaues, dann sein gelbes und dann sein grünes Wunder erleben!“, regt meine Freundin sich auf und stopft sich ein Stück Paprika in den Mund, nachdem sie mit Messer und Gabel an ihren Spare Rips verzweifelt ist. Vielleicht sollte ich ihr sagen, dass man die Dinger besser mit den Fingern isst, weil’s mit Messer und Gabel meist nicht hinhaut. Da ich es aber lustig finde, wie sie verzweifelt daran herum säbelt, mache ich sie nicht darauf aufmerksam und warte ab, bis sie alleine auf die Idee kommt, ihre Finger zu benutzen. Ian und Jack dagegen sind bereits wie die Tiere über ihr Fleisch hergefallen, ein orangener Rand durch die Marinade ziert ihre Münder, welchen sie ab und zu mit einem Taschentuch weg wischen. Ich persönlich bin da eher etwas penibel. Ich esse ganz vorsichtig, ohne dabei meinen Mund zu versauen. Hände sind egal, aber Mund geht gar nicht.
„Ich würde vorschlagen, dass wir nach dem Essen noch ein Verdauungsbierchen trinken, und uns dann ein bisschen die Campingplätze ansehen, was haltet ihr davon?“, fragt der Hopper in die Runde, woraufhin wir alle zustimmen. Eine sehr gute Idee. Ich habe mal gehört, dass Leute allein wegen des Campen und der Stimmung auf den Campingplätzen hier herkommen, ohne auch nur einmal auf das Festivalgelände zu gehen. Das hat schon was zu bedeuten!

Lindsay Thielen
Unerwünscht? Mir doch egal.“ – Gedanken eines Stalkers.
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Um die Stimmung während des „Verdauungsbierchen“ ein bisschen aufzupeppen, drehe ich das Radio auf volle Lautstärke und will dem Namen „Pussy Party Place“ somit alle Ehre machen, schließlich soll unser Pavillon nicht umsonst diesen Namen tragen. Also schalte ich auf das Lied Auf gute Freunde, von den Böhsen Onkelz und fange an, laut mitzugrölen, um die anderen anzuspornen, ebenfalls mitzusingen.
Beim ersten Refrain heben wir unser Bier.
„Ich trinke auf, auf gute Freunde, verlorene Liebe, auf alte Götter und auf neue Ziele…“, grölen wir zu viert und stoßen an, als der Refrain endet.
Beim zweiten Refrain stürmt plötzlich eine Gruppe anderer Ringrocker mit Partystimmung in unseren Pavillon und fängt an, ebenfalls laut mitzusingen. Grinsend hebe ich mein Bier erneut und bekomme zur Antwort eine Schar andere Biere und alkoholischen Getränken entgegengestreckt. Wortlos, nur singend, packen uns die partywütigen Menschen an den Schultern, hüpfen und springen mit uns durch den Pavillon, bis das Lied endet und sie zum nächsten Zelt ziehen, um dort die Stimmung anzuheizen. Lachend verabschieden wir uns, das war schon wieder einer der besten Beweise dafür, dass die Leute hier einfach nur cool sind. Meine Freundin ist durch und durch begeistert über die Aktion, ihre Laune hat sich von jetzt auf gleich verbessert, das sehe ich an ihrem Dauergrinsen und ihren strahlenden Augen. Langsam aber sicher scheint ihr das Campen hier gut zu gefallen.

Nach einem Toiletten-Zwischenstopp, schlendern wir zu viert gemütlich über den überfüllten Campingplatz. Hier und dort feiern jetzt schon manche Leute ihren Absturz, die anscheinend maßlos mit dem Alkohol übertrieben haben. Man man, und das schon am ersten Nachmittag, wie wollen die denn erst die Festivaltage überleben? Bei so einer Einstellung kann ich wirklich nur mit dem Kopf schütteln.
Einen Typen habe ich entdeckt, der gerade dabei ist, in eine Kühlbox zu kotzen. Der Aufregung seiner Kollegen nach zu urteilen, scheint die Kühlbox nicht leer gewesen zu sein, was mich ziemlich belustigt.
„Seht mal da hinten, die Leute sind doch echt mal geil.“
Meine Freundin zeigt auf eine Gruppe Jungs und Mädels mit Morphsuiten, also Ganzkörperanzügen in verschiedenen Farben. Ich staune nicht schlecht, das sieht wirklich cool aus. Wieso sind wir nicht auf so eine Idee gekommen? Fürs nächste Mal lasse ich mir auch so was einfallen, ganz bestimmt.
Auch Ian und Jack begutachten die Gruppe, ebenso wie ganz viele andere Leute, die dort vorbeilaufen.
„Da erkennt man wirklich nur an der Figur, wer Männlein und Weiblein ist, ne?“, stellt der jüngere Zwilling fest, woraufhin der Ältere mit den Augenbrauen zuckt.
„Also ich finde die Dinger extrem sexy, die können ja nicht mal Unterwäsche darunter tragen, weil man sonst die Abdrücke sehen könnte.“, grinst dieser dann schelmisch, ohne seinen Blick von der Gruppe abzuwenden. Recht hat er ja schon, die Dinger sind wirklich irgendwie sexy, bei einem Typen drückt sich sogar sein gut trainiertes Sixpack durch.
„Ist ja lustig, über was du dir so Gedanken machst.“, lacht Ian über die Aussage seines Bruders. „Ich habe jetzt nicht darüber nachgedacht, ob die darunter Unterwäsche tragen.“
„Nein?! Oh Inchen, du musst unbedingt mal wieder eine Alte flachlegen.“, stellt Jack daraufhin mit einem dicken Grinsen im Gesicht fest und bekommt dafür von seinem Bruder zur Antwort den Mittelfinger gezeigt.

Ein Stück weiter werden wir auf ein Spiel aufmerksam, welches von zwei Vierer- oder Fünfermannschaften mitten auf dem Weg gespielt wird. Um zu sehen, was genau da gespielt wird, stellen wir uns an den Rand, um zuzuschauen.
Die Teams stehen sich gegenüber, in der Mitte steht eine leere Plastik-Flasche und vor jedem Spieler eine volle Bierdose. Einer aus der Mannschaft wirft einen kleinen Ball in die Mitte und versucht damit die Flasche umzuwerfen. Wenn die Flasche umgeworfen wurde, darf das Team, welches geworfen hat, so lange aus den Dosen trinken, bis einer aus der gegnerischen Mannschaft den Ball eingesammelt, und die Flasche wieder aufgestellt hat. Dann ist das andere Team mit werfen dran. Das geht dann so lange, bis jeder Mitspieler aus dem jeweiligen Team alle Dosen ausgetrunken hat. Welches Team zuerst damit fertig ist, hat gewonnen. Sieht auf jeden Fall lustig aus.
„Sollen wir eine Runde mitspielen?“, frage ich meinen Anhang, welcher nickend mit den Schultern zuckt, was wahrscheinlich so viel heißt wie: Ja, von mir aus. Also melden wir uns nach der gerade gespielten Runde und treten gegen ein Team an, welches ebenfalls aus zwei Jungs und zwei Mädels besteht. Auch jetzt versammeln sich Zuschauer um uns herum, was mir mehr Ansporn dazu gibt, die Runde zu gewinnen.
Ich bin eine gute Trinkerin, das weiß ich, die Jungs kenne ich noch nicht gut genug, aber Nici könnte uns ein Nachteil sein. Unsicher blinzele ich zu meiner Freundin rüber, die allerdings so voller Elan zu sein scheint, dass ich mir vielleicht doch keine Sorgen machen muss.
Startklar stellen wir unsere Bierdosen vor unseren Füßen und warte auf das Startsignal.
„Fertig?“, ruft das gegnerische Team, worauf wir ein „Fertig!“ zurückgeben. Alle Spieler nehmen ihr Bier hoch, öffnen dieses und stellen es erneut vor ihren Füßen. Als ich zu Ian und Jack rüber schaue, nicken diese mir startklar zu. Gut. Auf geht’s.
„Los!“ Die Zuschauer jubeln, als das gegnerische Team das Startsignal gibt und einer der Mädchen zuerst den Ball wirft, jedoch die Flasche verfehlt. Jetzt sind wir am Zug. Jack schnappt sich den Ball, wirft und trifft. Sofort heben wir unser Bier, trinken so schnell wie möglich, bis das gegnerische Team den Ball aufgesammelt und die Flasche wieder aufgestellt hat. Wir stellen unsere Biere wieder zu Boden und warten auf den Wurf unserer Gegner. Diesmal wirft einer der Jungs und… trifft, verdammt! Schnell hetze ich dem Ball hinterher, sammele ihn auf, renne so schnell ich kann zurück zur Flasche, während ich von meinen Teamkollegen und Zuschauern angefeuert werde und stelle sie wieder auf.
„Super!“, zwinkert Ian mir zu, als ich wieder zu meinem Team geselle und bedanke mich verlegen. Während ich den Ball meiner besten Freundin überreiche, sehe ich aus dem Augenwinkel heraus, wie der Blonde mich, wahrscheinlich länger als gewollt, anschaut und erst seinen Blick von mir abwendet, als ich meinen Kopf zu ihm drehe. Ich kann mir aber auch keine weiteren Gedanken darum machen, da Nici nun voller Elan den Ball wirft, trifft, und wir erneut trinken müssen. Gerade als das gegnerische Team die Flasche wieder aufstellt, schmeißt Jack seine Dose zu Boden.
„Fertig!“, ruft er und klatscht in die Hände. „Los, hopp hopp, beeilt euch!“
Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen. Wenn der Erste aus unserem Team schon fertig ist, schaffen wir das auch ganz schnell!
Das gegnerische Team wirft, trifft, Nici rennt und stellt die Flasche wieder auf. Allerdings ist in dieser Runde ebenfalls einer der Jungs gegenüber fertig, also müssen wir uns jetzt wirklich sputen. Diesmal wirft Ian. Als er trifft trinken wir wieder, und auch er ist jetzt mit seiner Dose fertig. Jetzt sind noch Nici und ich übrig. Als das gegnerische Team wirft habe ich diesmal so viel Glück, dass mir der Ball genau in die Arme hüpft und ich sofort die Flasche aufstellen kann, ohne, dass dem Team viel Zeit zum Trinken bleibt.
„Komm schon Nici, jetzt Alles oder Nichts!“, rufe ich meiner Freundin zu, obwohl diese direkt neben mir steht und konzentriere mich auf meinen Wurf. Ich werfe und… Neiiin, daneben, verdammte Scheiße!
„Fuck!!!“, brülle ich, stampfe mit dem Fuß auf und lege meine Hände an den Kopf. Wieso habe ich das scheiß Ding nicht getroffen?! Das gibt’s doch nicht! Dafür kassiere ich mir direkt einen vorwurfsvollen Blick von meiner Freundin ein, welche sichtlich enttäuscht über meinen miserablen Wurf zu sein scheint.
„Kommt schon, los jetzt, ihr schafft das!“, feuern uns die Zwillinge an, während ich dem Ball hinterher stürme und die Flasche aufstelle. Wieder ist einer aus dem anderen Team fertig, diesmal eines der Mädchen, dafür trinke ich allerdings meine Dose beim nächsten Wurf leer, so dass der Sieg nur noch von Nici abhängt. Zwei gegen Eins, das schafft sie locker! Ich stelle mich zu den Zwillingen an den Rand, die mir beide ihre Hände zum Einschlagen hinhalten. Dann drehe ich mich zu meiner Freundin um, welche ich nun lauthals anfeuere.
„Niciiii, loooos, triiiink!“, rufe ich, als sie am Zug ist, denn nach einer weiteren Runde steht es Eins zu Eins. Entweder sie macht jetzt ihre Dose leer, oder wir haben verloren.
Aber natürlich schafft sie‘s, wirft ihre Dose zu Boden und hüpft mir quiekend in die Arme. Jubelnd hüpfen wir auf und ab, auch Ian und Jack fallen sich feierlich in die Arme und umarmen auch uns, nachdem Nici und ich uns voneinander gelöst haben. Wir verstehen uns bis jetzt nicht nur gut, wir sind auch noch ein gutes Team, wie sich gerade herausgestellt hat.
„Morgen wollen wir eine Revanche!“, fordert einer der Typen aus dem Verliererteam und hebt dabei symbolisch den Ball in die Luft.
Pff, wollen die tatsächlich nochmal gegen uns verlieren?
„Alles klar, wir sind hinten, schräg gegenüber von den Sanitäranlagen, der Pussy Party Place!“, nimmt Nici die Herausforderung an, womit wir selbstverständlich einverstanden sind. Sollen sie doch kommen, wir werden kämpfen und siegen! Eine grausame Lache schallt durch meinen Kopf, über die ich mich selbst erschrecke…

Everything is still and calm
In the dead of night
Right before the fight
Clouds are gathering for the storm
Destiny decides
Who will live or die
The Rasmus – The Fight

Einige Meter weiter bestaunen wir eine Konstruktion, die uns wirklich sprachlos macht. Hier haben sich tatsächlich einige Camper eine Art Holzrahmen in Minischlossform gebaut, worüber sie als Dach eine Plane gezogen haben. Das Ding hat sogar zwei Etagen! Unten, in der ersten Etage, stehen die Zelte und oben, in der zweiten Etage, haben die Leute eine beeindruckende Musikanlage aufgebaut, mit riesigen Boxen, aus welchen laut Lieder von Volbeat dröhnen. Außerdem stehen in der zweiten Etage noch zwei Tische und einige Stühle, an welchen die Camper gerade sitzen und eine Totenkopfflagge weht an einem Mast im Wind. Wirklich beeindruckend!
„Ey Jungs, wie lange habt ihr gebraucht um das aufzubauen?“, ruft Jack den Campern auf ihrer Konstruktion zu, geht dafür einen Schritt nach vorn und hält sich die gewölbte Hand an den Mundwinkel. Gespannt auf die Antwort blicken auch die anderen zwei, inklusive mir, in die Höhe.
„Wir sind seit gestern Morgen hier und waren vor knapp drei Stunden damit fertig!“, antwortet einer der Typen, was mich nicht schlecht staunen lässt. Ich weiß gar nicht genau, ab wann man hier anreisen kann, ich halte mich da besser an den Donnerstag.
„Coole Sache!“
Der Hopper zeigt den Campern den Daumen, was Ian ihm gleich tut, dann laufen wir weiter.
Ich muss zugeben, nicht alle Leute hier sind gut drauf, es gibt zwischendurch natürlich auch ein paar Idioten (bestes Beispiel: mein Ex), wie ich jetzt auch wieder feststellen muss. Schon von weitem sehe ich, wie sich ein paar Jungs eine Wasserschlacht, mitten auf dem Fußweg liefern, was mich ja sehr erfreut. Mit 5 Liter Kanistern spritzen sie wie die Bekloppten mit Wasser herum, ohne Rücksicht auf vorbeigehende Ringrocker.
Ich laufe extra ganz nah an Ian und Jack, damit diese Idioten nicht auf die Idee kommen, nur weil ich noch schön trocken aussehe, mich mit Wasser zu überschütten. Aber natürlich passiert genau das. Gerade als wir an denen vorbei gehen, dreht sich einer dieser Vollpfosten um und schüttet mir eine ganze Ladung Wasser entgegen. Das passiert so schnell, dass ich nicht mal ausweichen kann und schwupps, bin ich von oben bis unten nass.
Entsetzt schaue ich den Typen mit dem Kanister an, welcher das Ganze auch noch total lustig findet, mindestens genauso entsetzt habe ich jetzt auch die Blicke meines Anhangs an mir kleben. Angepisst balle ich meine Fäuste und versuche das Gehirn dieses Typen mit meinen Gedanken zum Explodieren zu bringen, was leider Gottes nicht funktioniert. Und gerade weil es nicht funktioniert, und ich meine Wut nicht einfach so herunterschlucken kann, platzt es ungewollt wie ein Wasserfall aus mir heraus: „Du blöder Penner, was fällt dir eigentlich ein die Leute hier nasszumachen? Wir haben keine dreißig Grad, falls es dir nicht aufgefallen ist, denkst du, ich will die Festivaltage über krank werden?! Wenn ich krank werde, dann komme ich zu dir und rotze dir in die Fresse, damit du schön alle meine Bazillen abbekommst und…“
„Lin, ist gut jetzt!“, unterbricht mich meine Freundin und zieht mich am Arm von diesem Typen weg.
„Und das schwöre ich dir!!“, rufe ich dem Typen noch mit erhobener Faust zu, der mir nur verdutzt hinterher guckt, während Nici mich weiter zieht. Sauer blicke ich an mir herunter, das gibt’s doch nicht, ich sehe aus als wäre ich vorwärts in eine Pfütze gefallen!
„Du hast ja ganz schön Feuer unterm Hintern.“, lacht Ian.
„Der kann froh sein, dass er noch lebt!“
Dabei denke ich an meinen gescheiterten Gehirn-Explodier-Versuch. Ich bin heilfroh, dass nicht alle Leute hier so rücksichtslos sind.

Noch ein Stück weiter (ich kann gar nicht so schnell gucken, da ist es schon passiert) stehen wir an der Startlinie für ein Schubkarrenwettrennen. Drei zweier Teams treten gegeneinander an, ich in der Schubkarre, Nici schiebt, Ian in der Schubkarre, der von Jack geschoben wird und noch ein Typ, mit einem Mädchen in der Schubkarre. Ich hab jetzt schon tierischen Bammel, weil‘s a) bergab geht, und b) deswegen nicht ganz ungefährlich ist.
„Ey Nici, ich vertraue dir, sei bloß vorsichtig!“
Ich renke meinen Kopf nach hinten, um meine Freundin anschauen zu können, welche mich daraufhin fett angrinst. Das ist mein Ernst, ich vertraue ihr, zumindest würde ich das gerne…
„Halt dich einfach gut fest und mach dir nicht in die Hose.“
Jaha, leichter gesagt als getan. Ich meine, nass bin ich ja eh schon, würde also nicht unbedingt auffallen, außer vielleicht vom Geruch her.
Unsicher schaue ich zu den Zwillingen rüber, Ian ist viel zu groß für die Schubkarre, was das Ganze irgendwie ulkig aussehen lässt. Seine langen Beine lugen soweit über den Schubkarrenrand drüber, dass er sie hochhalten muss, um nicht den Boden zu berühren. Zum ersten Mal nimmt er jetzt auch seine Sonnenbrille ab und ich… Ähm… Wow, da hat hast mir gerade kurz die Sprache verschlagen. Wieso hat er sein hübsches Gesicht die ganze Zeit unter einer riesigen Sonnenbrille versteckt?
„Auf die Plätze…“
Ich werde von der Stimme des Veranstalters dieses Rennens aus meinen Gedanken gerissen, so dass ich mich kurz fangen muss, um mich wieder auf meine Sicherheit zu konzentrieren.
„Halt dich fest!“, fordert meine Freundin mich noch auf, bevor der Veranstalter das Startsignal gibt und wir losrennen, beziehungsweise fahren. Unsanft rutsche ich in der Schubkarre, durch den steinigen Weg, hin und her, muss dabei lachen und gleichzeitig kreischen. Auch das andere Mädchen, welches knapp hinter uns ist, kreischt als ob sie gleich sterben würde, was mich wenigstens nicht so blöd dastehen lässt. Die Zwillinge dagegen sind ganz cool, ich sehe zwar nur ihre Rücken, da sie jetzt schon weit vor uns liegen, aber keiner von beiden gibt auch nur einen Ton von sich.
„Oh mein Gott!“, brülle ich, als wir über einen Stein fahren und ich dadurch fast aus der scheiß Schubkarre fliege. Gerade so kann ich mich noch halten, jedoch reduziert Nici deswegen die Geschwindigkeit, wodurch das andre Team uns überholt und wir das Rennen verlieren. Als letztes fahren wir durchs Ziel, die Zwillinge jubeln bereits über ihren Sieg, welchen ich ihnen zugegebener Weise nur ungern gönne. Ich bin eine verdammt schlechte Verliererin, aber hey, dafür kann ich kochen.
„Tut mir leid…“, entschuldigt sich Nici unnötig bei mir. Ist doch nicht ihre Schuld. Obwohl, doch, ist es! Allerdings sage ich ihr das nicht, nehme selbstverständlich ihre Entschuldigung an und versuche mich aus der Schubkarre zu hieven, was sich schwerer herausstellt, als ich dachte. Netterweise reicht Ian mir seine Hand und zieht mich mit einem Ruck hoch. Und als ich so vor ihm stehe und mich bedanke, muss ich ungewollt in seine Augen glotzen. Wenn ich glotzen sage, meine ich auch glotzen, denn das muss so dämlich ausgesehen haben, dass er mich fragt, ob alles okay sei.
„Äh… Ja klar, alles okay.“, antworte ich peinlich berührt und drehe mich so schnell um, dass das bestimmt wieder total dämlich ausgesehen hat.